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Tiergestützte Hilfen


Der Umgang mit einem Tier kann sich in vielfacher Hinsicht positiv auswirken. Tiere fördern soziale Kontakte, heben das Selbstwertgefühl, fördern Empathie, schenken Vertrauen und Nähe und fordern auf, Verantwortung zu übernehmen. Sie helfen bei der Verbesserung der Körperwahrnehmung, fördern einen Zugang zum eigenen Körper, unterstützen bei der Nachnährung von körperlichen und emotionalen Bedürfnissen (z.B. über kuscheln, Körperkontakt, positiv in Beziehung gehen). Nach wissenschaftlichen Erkenntnissen reguliert der Körperkontakt mit Tieren zudem den Blutdruck und die Herzfrequenz des Menschen und trägt dazu bei, innerlich und äußerlich zur Ruhe zu kommen.

Kinder und Jugendliche erleben in ihrem Alltag oft Abwertung, autoritäre Hierarchien, inkonstante Beziehungen, sozialen und kommunikativen Druck, womit sie umgehen müssen, um in einer Gruppe bestehen zu können. Im Kontakt mit dem Tier erleben sie einen Raum, in dem sie sein dürfen, wie sie sind. Das Tier wertet nicht nach äußerem Aussehen, Sprachfehler, Verhaltensauffälligkeiten u.ä.. Es nimmt den Menschen mit seinen Fähigkeiten und Schwierigkeiten an, wie er ist. Es reagiert immer authentisch und unmittelbar (Tiere lügen nicht). Durch seinen hochsensiblen Wahrnehmungsapparat kann es Gefühlslagen und Körpersignale des Menschen lesen und widerspiegeln. Es hilft dadurch dem Menschen, sich selber besser wahrzunehmen und zu verstehen und sich selber anzunehmen. Darüber hinaus helfen Tiere über den sog. Aschenputteleffekt bei der Entwicklung von stimmigen (authentischen) Verhaltensmustern, was bedeutet, dass der Mensch sich im Kontakt nicht verstellen muss und kann, auch wenn er nicht dem gängigen Ideal entspricht. Er erlebt gleiches vom Tier. Menschliche Werte (Markenbekleidung, Titel) als auch Worte können die Tiere nicht zu einem geforderten Verhalten bewegen. Ebenso gibt es in der Kommunikation mit dem Tier keine Diskrepanz zwischen dem gesprochenen Wort und nonverbaler Mimik, Gestik und Körpersprache, während beim Menschen oftmals die Worte nicht mit dem Verhalten übereinstimmen.

Das Kind/der Jugendliche lernt seine eigene Körpersprache und Körpersignale zu verfeinern und diese in der Kommunikation mit seinen Mitmenschen einzusetzen, aber auch, die von Anderen zu verstehen (80% der menschlichen Kommunikation findet nonverbal statt). Das Kind/der Jugendliche lernt für den Umgang mit seinen Mitmenschen authentisch zu werden und den Wert einer ehrlichen und partnerschaftlichen Kommunikation zu schätzen.
Das Tier ermöglicht dem Kind/Jugendlichen zudem einen leichteren Umgang mit Frustrationen, da es das Verhalten ehrlich spiegelt und unmittelbar auf das Verhalten der Kinder reagiert. Das Kind bekommt so ein direktes und ehrliches Feedback, welches leichter angenommen werden kann als vom Menschen.
Um in der Reflektion von Übungen mit dem Medium Tier die Übertragung auf die menschlichen Gruppen - in Form von Analogien - bewältigen zu können, nutzen wir überwiegend sozial hoch entwickelte Lebewesen, wie Esel, Pferde, Ziegen, u.a.. Sie leben in festen Sozialverbänden, die durchaus als Familienverbände bezeichnet werden können. Im Verband gibt es ein Leittier und klare Führungsmuster, die nicht mit einer autoritären Hierarchiestruktur verwechselt werden dürfen. Die Kinder/Jugendlichen begreifen und erfahren durch diese Strukturen, dass jeder mit seinen Fähigkeiten so eingesetzt wird, wie er es am besten kann. Sie erfahren darüber, dass sie auf sich selber vertrauen können, aber auch für Andere wertvoll sind. Sie erleben dadurch eine positive und konstante Beziehungsgestaltung und ein angenommen werden, wie es ihnen im menschlichen Umgang manchmal fehlt.



Heilpädagogisches Reiten (HPR)


"Heilpädagogisches Reiten" ist neben der "Hippotherapie" und dem Reiten als "Sport für Behinderte" ein Teilbereich des therapeutischen Reitens. Es ist eine pädagogisch/psychologische Form der Hilfestellung, die den Menschen im Umgang mit dem Pferd und beim Reiten ganzheitlich positiv anspricht und seine seelische, geistige, körperliche und soziale Entwicklung fördert.

In einer Atmosphäre des Sich-Wohlfühlens ermöglicht das Pferd sowohl eine körperliche als auch emotionale Beziehung und fordert als Partner die volle Aufmerksamkeit. Durch den Aufbau einer Beziehung zu dem Pferd mit dessen feinem Gespür für Stimmungen und unmittelbaren Reaktionen auf falsche Behandlung entsteht eine natürliche Verhaltensregulation. Neben diesen sehr wichtigen Beziehungselementen, bietet es lösende und gymnastizierende Bewegungsimpulse an. Durch gezielte Aktivitäten und Übungen mit und auf dem Pferd können Defizite in verschiedenen Bereichen aufgearbeitet werden.

Heilpädagogisches Reiten findet auf dem Geländer der Jugendfarm statt.





Tiergestützte Erziehungsbeistandschaft (EZB)


Die tiergestützte Erziehungsbeistandschaft (EZB) ist eine ambulante Hilfe zur Erziehung und umfasst alle Inhalte und Methoden der Erziehungsbeistandschaft mit der Besonderheit, dass diese EZB unterschiedliche Tierarten als „Co-Pädagogen" mit in den Hilfeprozess einbindet.

In Zusammenarbeit mit den Eltern und regelmäßig stattfindenden Elterneinheiten (mit und ohne Kind) soll das Erlernte bzw. die neuen Erfahrungen im häuslichen Umgang miteinander verdeutlicht und auf familiäre Beziehungs- und Verhaltensmuster übertragen werden, so dass neue Handlungsmöglichkeiten gesehen werden können.
Besonders am Esel kann der Umgang mit Druck und Widerstand erlebt und eingeübt werden. Die Verhaltensweisen des Esels bei Druck sind 1:1 auf die Verhaltensweisen des Menschen übertragbar. Wird der Druck zu hoch, greift das Instinktprogramm. Der Mensch erfährt hierüber, welcher „Drucktyp“ er ist. Das Kind, der Jugendliche und die Eltern können darüber hinaus „Überlebensmechanismen“ und Muster im Umgang mit einander erkennen und gegebenenfalls verändern.

Die intensive, interaktive Arbeit mit dem Kind/ Jugendlichen und ggf. den Personensorgeberechtigten soll nachhaltig destruktive Verhaltensmuster und Strukturen im System deutlich machen, aufbrechen und durch angemessene ersetzen. Die Familiensituation soll Entlastung erfahren und stabilisiert werden.
Um biographische Eckdaten / Aufträge differenzierter erfassen und bearbeiten zu können, kommen für die sozialpädagogische Arbeit mit den Familien auch intensivpädagogische Methoden (Bodenanker, Druckzonenmodell, Refraiming, Führen und Folgen etc.) zur Anwendung. Mit dieser Methodenvielfalt soll ein flexibles und passgenaues Betreuungsarrangement ermöglicht werden und gleichzeitig ein breites Spektrum an Interventionsmöglichkeiten zur Verfügung stehen. Auf dieser Grundlage soll eine Entwicklung stattfinden, die die Familie in die Lage versetzt, möglichst dauerhaft ohne ein Helfersystem zu recht zu kommen.

Ziel der tiergestützten Erziehungsbeistandschaft ist es grundsätzlich, ein positives Selbstkonzept der Kinder bzw. Jugendlichen aufzubauen um diese dazu zu befähigen, angemessen mit ihrer Umwelt, ihren Problemen sowie ihren „Defiziten" umzugehen und weitestgehend Stärken an sich selbst zu erkennen, auszubauen und in Folge dessen fördern zu können.

Weitere mögliche Ziele:

Der tiergestützte Teil der EZB wird von einer ausgebildeten Fachkraft für tiergestützte Pädagogik oder pädagogischen Fachkräften, die über besondere Erfahrungen im Einsatz von Tieren in der pädagogischen Arbeit verfügen, durchgeführt und kann sowohl auf dem Gelände sowie den Außenstellen der Jugendfarm Bonn oder an ausgewählten Orten als auch aufsuchend mit und ohne Tier stattfinden. Während der tiergestützten Einheit arbeitet die pädagogische Fachkraft überwiegend allein mit dem Kind/Jugendlichen, mit den Personensorgeberechtigten oder im Familienverbund. Die Fallführung liegt in der Hand des/der zuständigen Mitarbeiters/in, der/die auch Ansprechpartner/in für das Jugendamt ist.

Die tiergestützte Erziehungsbeistandschaft grenzt sich deutlich vom heilpädagogischen Reiten oder anderen reitähnlichen Angeboten ab. Es ist ein intensiv-pädagogisches Angebot mit dem Tier, bei dem eine Form des Reitens (Esel, Pferd) nicht im Vordergrund steht.